Fressnapf stoppt Verkauf wild gefangener Reptilien

2016 hat Fressnapf angekündigt, keine wild gefangenen Reptilien mehr zu verkaufen. Jetzt hat das Unternehmen sein Vorhaben konsequent umgesetzt. Ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Entnahme von Tieren aus der Natur ist mit vielen Tier- und Artenschutzproblemen verbunden. Komplett auf Reptilienverkäufe verzichten will Fressnapf jedoch noch nicht.

Deutschland ist EU-weit der größte Importeur und Absatzmarkt für Wildtiere. Hunderttausende lebende Reptilien, darunter zahlreiche Wildfänge, landen in Deutschland. Die Handelswege sind teilweise undurchsichtig: Die Tiere durchlaufen manchmal mehrere Stationen. Nach dem Fang oder von Farmen gelangen sie über Zwischen- und Großhändler im Herkunftsland oder in Zweitländern am Ende zu Großhändlern in Deutschland, bis sie schließlich ins Zoofachgeschäft kommen.

Keine Reptilien-Wildfänge mehr bei Fressnapf
Dr. Henriette Mackensen, Fachreferentin für Artenschutz bei unserem Dachverband, dem Deutschen Tierschutzbund, beklagt: „Die Entnahme von Tieren aus der Natur ist mit zahlreichen Tier- und Artenschutzproblemen verknüpft – rücksichtlos wird die Natur geplündert, um den Bedarf zu decken.“  Die Tiere leiden unter dem Stress bei Fang und Transport und etliche kommen dabei elendig um. Der Heimtierhandel Fressnapf ist nun einen Schritt in die richtige Richtung gegangen: Seit April 2017 verkauft das Unternehmen keine Reptilien mehr, die wild gefangen wurden. Auch das Artenspektrum wurde bereits reduziert. Genau wie unser Dachverband begrüßen auch wir diese Maßnahmen, zu der regelmäßige und langfristige Gespräche der Tierschützer mit dem Unternehmen geführt haben.

Verzicht auf außereuropäische Importe angekündigt
Ab April 2018 will Fressnapf ebenfalls auf sämtliche außereuropäischen Importe von Terrarientieren aus Nachzuchten verzichten. Tiere sollen dann nur noch aus Deutschland oder dem europäischen Ausland stammen. Der Deutsche Tierschutzbund hat angekündigt, auch diesen Schritt kritisch und konstruktiv mitzubegleiten. Die beste Lösung zur Vermeidung von Tierschutzproblemen wäre ein kompletter Verzicht auf Reptilienverkäufe. Dennoch sind die Bemühungen von Fressnapf lobenswert, denn laut dem Deutschen Tierschutzbund hätten Tiere aus Nachzuchten neben dem Artenschutzaspekt mit weniger Stress zu kämpfen und seien seltener von Parasiten befallen.

Viele Reptilien landen im Tierheim
Käufer von Reptilien unterschätzen häufig, wie teuer die Tiere im Unterhalt sind, wie alt oder wie groß sie werden. Reptilien haben besonders hohe Ansprüche an Futter und Klima, die im Privathaushalt kaum erfüllt werden können. Als „Ende vom Lied“ setzen überforderte Halter ihre Tiere oftmals aus oder geben sie im Tierheim ab. Doch auch viele Tierheime stoßen bei der Unterbringung und Versorgung der exotischen Schützlinge an ihre Grenzen. Der Deutsche Tierschutzbund hat daher in seinem Tierschutzzentrum in Weidefeld eine eigene Reptilienstation geschaffen. Mit der Station will unser Dachverband Tierschutzvereine bei der Unterbringung der Exoten unterstützen und Aufklärungsarbeit leisten.

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