Bundestag hat entschieden: Pelztierhaltung bleibt

2015 beschloss der Bundesrat mehrheitlich einen Gesetzentwurf für ein Pelzfarmverbot. Entgegen des Antrags hat der Bundestag aktuell einem Gesetzesentwurf der Großen Koalition zugestimmt. Dieser sieht gesetzliche Mindestanforderungen in der Pelztierhaltung vor. Damit bleibt deren Haltung in Deutschland erlaubt.

Um die Tötung von Tieren für modische Luxusgüter gesetzlich zu unterbinden, beschloss der Bundesrat im Juli 2015 mehrheitlich einen Gesetzentwurf für ein Pelzfarmverbot. Auch das Bundeskabinett stimmte dem Vorhaben im August zu. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gab im November 2015 ebenfalls bekannt, ein Verbot zu unterstützen. Anders als vom Bundesrat gefordert, hat der Bundestag aktuell einem Gesetzesentwurf der Großen Koalition zugestimmt. Dieser sieht kein generelles Pelztierverbot vor. Es sollen lediglich die Anforderungen aus der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung für Pelztiere in Form eines Verbotes mit Erlaubnisvorbehalt in das Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz überführt werden.

Enttäuschung für den Tierschutz
„Das neue Gesetz zur Pelztierhaltung in Deutschland schreibt nun das gesetzlich fest, was eigentlich schon seit langem in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verpflichtend festgehalten war“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident unseres Dachverbandes, des Deutschen Tierschutzbundes. „Dass die Regierungskoalition nicht dem Bundesratsentschluss gefolgt ist und so verpasst hat, mit einem strikten Verbot der Pelztierhaltung ein europaweites Signal zu setzen, ist enttäuschend.“
 
Neue Regeln für die Haltung von Pelztieren
Die Anforderungen zur Haltung von Pelztieren, die bereits in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgegeben sind, werden jetzt in Form eines Verbotes mit Erlaubnisvorbehalt in das Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz überführt. Die verbesserten Haltungsbedingungen sind zwar damit gesetzlich festgeschrieben, die Pelztierhaltung als solche bleibt aber weiterhin möglich. Obwohl davon auszugehen ist, dass die verbliebenen sechs deutschen Nerzfarmen schließen müssen, weil sie bei Einhaltung der Vorgaben kaum wirtschaftlich betrieben werden können, bleibt eine Hintertür offen: Pelztierhalter könnten in Zukunft neue Farmen eröffnen, solange sie die Haltungsbedingungen erfüllen.

Haltungsanforderungen nicht tiergerecht
Nerze leben meist in der Nähe von Gewässern. Sie lieben es, zu schwimmen und zu tauchen. Als absolute Einzelgänger verteidigen die Tiere in der Wildnis intensiv ihr Revier. In Pelztierfarmen werden Nerze entgegen ihrer natürlichen Bedürfnisse gehalten. In ihren engen Käfigen fehlt es den Tieren an ausreichend Platz und festem Boden. Auch Schwimm- und Klettermöglichkeiten sind keine vorhanden. In Deutschland gibt es zurzeit noch sechs Nerzfarmen. Die neuen Haltungsanforderungen für Nerze auf deutschen Pelzfarmen sind allein schon von der Käfigfläche her weiterhin nicht tiergerecht: Pro Tier sind ein Quadratmeter angedacht, in deutschen Zoos sind mindestens acht Quadratmeter vorgeschrieben.

Foto Startseite: Farkas / Deutscher Tierschutzbund e.V.